Und wenn ich einen Fehler mache…

wenn ich einen fehler mache

Se sbaglio… mi corrigerete”  – “Wenn ich einen Fehler mache… werdet ihr mich verbessern”. In den letzten Tagen ist dieser Satz fest in meinem Kopf verankert. Mr. Incredible sagte ihn vor einigen Jahren zu mir (ich muss so was ähnliches gesagt haben, in Bezug auf meine Italienischkenntnisse). Der Satz ist aber nicht von ihm, sondern von Johannes Paul II der ihn mit seiner starken Stimme kurz nach seiner Wahl zum Papst sagte. In seiner Art ist das ein sehr revolutionärer Satz, der schon sehr klar auf seine Stellung gegenüber den Gläubigen hinweist. Er spricht ganz klar die Möglichkeit, Fehler zu machen, an.

In der Tat hat man uns früher beigebracht, dass Fehler machen menschlich ist, heute hingegen ist es uns unangenehm zu sagen “wenn was falsch machen”, zuzugeben möglicherweise im Unrecht zu sein. Wir sind es nicht besonders gewöhnt Bescheidenheit zu zeigen, in einer Zeit wo wir immer als Gewinner heraus kommen müssen. Einer kann etwas falsch- oder missverstanden haben, und dann als Konsequenz falsch reagiert haben, aber einen Fehler kann er nicht machen.

Im Grossen und Ganzen sind es immer die Anderen die Fehler machen. Und hinzukommt, dass es nicht mehr IN ist über die Fehler zu sprechen: in einer Zeit in der alles relativ ist, in der es keine Wahrheit gibt, in der keiner das Recht hat die anderen zu verbessern, wenn es wirklich sein muss ist es erlaubt über Meinungsverschiedenheiten zu sprechen. Und dann gilt auch, dass der der Fehler macht, ein Verlierer ist, einer ist der wenig Rücksicht verdient, und noch weniger Anerkennung.

“ Wenn ich einen Fehler mache, werde ich mich verbessern”: Wenn ich nun wirklich realisieren sollte, etwas falsch gemacht zu haben, versuche ich mich wenigstens selbst zu verbessern, so fällt es vielleicht nicht so sehr auf, so werden es die anderen nicht bemerken, dann ist es nicht offensichtlich, und es wird niemanden erschüttern. Einen Fehler nur uns selbst gegenüber zuzugeben ist viel einfacher als dies gegenüber den anderen zu tun. Und uns selbst, entsprechend unserer eigenen Fähigkeiten, zu korrigieren ist viel viel angenehmer als sich von den anderen verbessern zu lassen und ausserdem ist es auch ein Wundermittel für unseren Stolz. Alles selbst zu machen, sowohl die Fragen sich selbst stellen als sie dann auch selbst zu beantworten, von keinem Urteil eines Aussenstehenden abzuhängen, ist die Lösung die uns am besten gefällt. Schade, dass wir alleine nichts verstehen, nichts lernen, einfach nur ein Loch flicken. Und da die Einbildung alles aus eigener Kraft lösen zu können unrealistisch und sogar teuflisch ist, genau wie das Ausharren im Irrtum, machen wir immer wieder die gleichen Fehler.

Und das ist noch nicht der schwerste Schritt.

Wenn wir einen Fehler machen – und wenn wir mit Gespenstern kämpfen, die nur wir sehen, uns an Problemen festhalten die nicht existieren, wenn wir uns den Klagen hingeben, überzeugt davon immer im Recht zu sein – sind es die anderen die uns verbessern: Wenn der Fehler, den wir gemacht haben offensichtlich ist, werden sich viele in Bewegung setzen um uns die Wahrheit zu zeigen. Ich spreche hierbei nicht über Meinungsverschiedenheiten sondern über Wahrheit und Lüge: die Personen, die Dank ihrer Intelligenz und Nächstenliebe, ohne Boshaftigkeit und Genugtuung es schaffen, unsere Fehler hervorzuheben und sie zu korrigieren, werden uns mit der einzigen Wahrheit konfrontieren und uns einfach eine Alternative zu unserem falschen und trügerischen Weg aufweisen. Eine harte Prüfung für unser Selbstbewusstsein, ein schöner Schlag gegen unsere selbstkonstruierte Bescheidenheit. Da aber das Ausharren teuflisch ist, und das teuflische uns immer weiter gehen lässt im Fehler, und darauf aus ist, der Vernunft keine Chance zu lassen, setzten wir meist unsere Überzeugungen fort.

Aber auch das ist nicht der schwerste Schritt.

Der schwerste Schritt ist, uns nur von einem einzigen korrigieren zu lassen. Einen echten Freund zu haben, der uns wirklich gern hat, während alle anderen alles für gut heissen was wir tun. Und während in uns dank des Stolz die Überzeugung weiter wächst, dass wir im Recht sind, nimmt uns dieser Freund zur Seite, schaut uns in die Augen, wenn nötig verpasst er uns auch eine Ohrfeige und mit seiner heiligen Mut sagt er uns, dass wir einen Fehler gemacht haben. Der Bruder, der uns wirklich verbessern kann und sich erlauben kann uns die Augen zu öffnen, ist derjenige der seinen eigenen Henkerbalken kennt, und der seinerseits die Barmherzigkeit und die Güte der Verbesserung erfahren hat.

Es ist die brüderliche Verbesserung, die den Stolz unter eine harte Prüfung stellt und auch der fruchtbarste Boden für Bescheidenheit und Wachstum. Es ist ein Fundament der auf ehrlichen Beziehungen und einem gemeinsamen Wachstums konstruiert ist. Er basiert zunächst für den der korrigiert – und dann für den der Korrektur empfängt – auf ausgedehnten Gebetszeiten und unzähligen Augenblicken der Besinnung vor dem Tabernakel, um sich das Herz öffnen zu lassen. Das ist ein langer Weg, der  oft zur Beichte führt, ein Ort an dem die Fehler Verbesserung finden und auch die schlimmsten Flecken entfernt werden können. Dort in der Gnade des Sakraments erfährt man die echte Dimension des Stolzes und den Inbegriff der Demut: im Blick und in den Händen desjenigen der uns losspricht ist es Christus der korrigiert, der heilt, der beschützt und empfängt.

Das ist ein Ausgangspunkt. Um zu verstehen wer wir selbst sind, um zu lernen und um nicht in Fehlern, Verlockungen und Sehnsüchten gefangen zu bleiben und um unserseits der Freund zu sein, der die Wahrheit kennt und den rechten Weg aufweisen kann. Und der verbessert falls man einen Fehler macht.

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