Der Hüter meines Bruders

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Anfang de Monats war der Tag der heiligen Schutzengel. Ich habe daran gedacht, wie selten wir sie in Betracht ziehen , wie oft wir sie vergessen, und wie schön doch das Gebet ist, mit dem sie sich rufen lassen, und wie viel mein Schutzengel zu tun hat, der Arme, der all den Blödsinn wieder reparieren muss, den ich nur an einem einzigen Tag tue, sage, denke und schreibe.

Und dann geschah die Tragödie von Lampedusa. Viele Worte, viele Kommentare, viele Bilder.

Ich muss zugeben, wenig gelesen zu habe, ausser ein paar Auszüge über die grauenhaften Erzählungen über die vielen Toten im Meer. Ich muss zugeben dass, mich das Bild der grossen Fläche voll mit Särgen erschüttert hat, so wie vor einigen Jahren das gleiche Bild  an der Beerdigung der Erdbebenopfer in Abruzzen.

Ich kann das nicht wirklich kommentieren, ich kann kein vernünftiges Urteil aussprechen, ich verstehe überhaupt nichts vom Immigrationsrecht, auch wenn ich so wie alle verstehe, das es etwas gibt das nicht stimmt.  Italien ist etwas zu allein um dieses Problem, dass viel grösser als es selbst ist, zu managen. Es ist auch unmöglich zu verlangen, die guten von den schlechten Immigranten zu trennen, auf einem Boot überladen mit verzweifelten Personen.  Der Gedanke an die verlorenen Opfer, der ins Meer gefallenen Lebensgeschichten und Hoffnungen und Wünsche, lässt genügend Raum für Traurigkeit und Mitleid. Und für die Frage über unsere  Fähigkeit sich um den Nächsten zu kümmern.

“Wo ist dein Bruder Abel?” Er sprach: “Ich weiß nicht; soll ich meines Bruders Hüter sein?” Er aber sprach: “Was hast du getan? Die Stimme des Bluts deines Bruders schreit zu mir von der Erde.” Die Frage Kains “  Soll ich meines Bruders Hüter sein?” ist genau die gleiche Frage, die wir auch uns selbst stellen.

Was bedeutet der Hüter eines anderen Menschen zu sein?

Ich denke, dass hüten nicht immer gleich lieben bedeutet. Vielleicht bedeutet das hüten von Lebewesen die Gott liebt, lediglich nicht desinteressiert zu sein und so zu tun als würde uns das Leben der anderen nichts angehen. Über den ersten Eindruck hinauszugehen, und auch für den anderen nur das Beste zu wollen, ihn ansehen, im Wissen, dass auch sein Leben in den Augen Gottes den gleichen unendlichen Wert hat wie unsers, und dass Jesus am Kreuz gestorben ist um ihn und mich zu retten.

Das Hüten eines anderen Menschen bedeutet das Bitten um die Gnade ihn willkommen zu heissen, ihn zu lieben wie Gott das tut, damit sein Leben nicht in die Gleichgültigkeit gleitet.

Hüten, bedeutet beten für die anderen, für ihr Leben und nach ihrem Tod, anvertrauen des Lebens der geliebten Menschen, an die Liebe und Gnade Gottes , aber auch derer die uns weh getan haben. Hüten bedeutet, dass jedes Leben zählt, und es einen grösseren Wert hat als wir schätzen können. Und wenn uns bewusst wird, dass ein Leben zu Ende geht, empfinden wir Scham, so wie es uns der Papst gesagt hat.

Eine Scham, die der Wunsch ist, den Kopf zu wenden und der Instinkt die Schultern zu schütteln, wenn wir erfahren dass hunderte von Toten aus dem Meer geborgen wurden, und all dieserMenschen ihr Leben in einer Reise von Hoffnung und Horror verloren haben; es ist die Trauer über jedes junge Leben das abgebrochen wurde, durch den Konsum von Drogen, des Alkohols, durch eine Depression, durch eine falsche oder gewalttätige Liebe, durch eine ideologische Einstellung, durch den Wunsch nach Freiheit aber ohne dem Bewusstsein jeglicher Grenzen. Es ist die Trostlosigkeit für jedes Kind, dass nicht geboren wurde, für die Mütter, die es nicht gewollt haben, für alle die am Ende eines Lebens voller Erfolg und Anerkennung ein unerträgliches Gewicht aus sich fühlen und das Handtuch werfen. Es ist die Sehnsucht nach den Freundschaftsbeziehungen die wir haben einfach so fallen lassen, aus Faulheit, wegen der Entfernung oder wegen Missverständnissen, und auch die Sehnsucht nach den Lebensgeschichten , die mit uns einen Teil des Weges gegangen sind, und die wir von heute auf morgen nicht mehr kennen.

Es ist das Bedauern nicht fähig gewesen zu sein zu hüten, sich nicht gekümmert zu haben, den stillen Hilfeschrei der anderen nicht gehöret zu haben, sie nicht nett empfangen, korrigiert und geliebt zu haben. Wir hätten auch einfach nur ein Ave Maria sagen können, oder die “offiziellen” Schutzengel rufen können, auch für die, die uns auf der Strasse, in der Schule oder im Büro geärgert haben. Und das nicht weil es uns so sehr gefällt oder weil wir so super gut sind, sondern gerade aus dem Gegenteil. Wir beten für den Bruder der uns nicht um Verzeihung geben hat, für die Nachbarin die uns auf die Nerven geht, für den, der mir unrecht getan hat, und der es weiss, und es niemals zugeben wird. Denn Hüten bedeutet verteidigen – sich verteidigen – vor dem Instinkt der Wut und der Gleichgültigkeit, mit grösster Sorgfalt. Das ist die Frucht der Gnade des Glaubens, um die täglich gebeten werden muss.

Denn wenn es stimmt, dass kein Mensch eine Insel ist, bedeutet das hüten der anderen dass man auch selbst gehütet wird. Und eines Tages ohne, dass wir darum gebeten haben, werden wir eine Hinweis auf die Antwort bekommen.

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