Ruhe, ihr Jammer-Frauen!

Entschuldigt, dass ich dieses Thema schon wieder aufgreife, aber diesen Artikel musste ich einfach nochmals publizieren, denn er spricht mir irgendwie aus der Seele. Er ist die Antwort auf den Artikel aus der FAZ, den ich am 7. Januar gebloggt habe

Argumente gegen KinderRuhe, ihr Jammer-Frauen!

11.01.2014  ·  Die Gesellschaft, das System oder die doofen Politiker machten es unmöglich, Kinder in die Welt zu setzen, sagen manche Frauen ohne Kinder. Solche Ausreden sind narzisstisch und absurd.

Von FLORENTINE FRITZEN und TOBIAS RÖSMANN

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Allmählich nervt es, und zwar richtig. Dauernd dieses Gejammere junger Frauen, es sei so unheimlich schwierig, sich heutzutage für Kinder zu entscheiden. Diese Frauen sind meist um die 30 und Teil einer am liebsten selbstdefinierten Bildungselite. Seitenweise nörgeln sie Zeitungen und Blogs voll: Die Gesellschaft, das System oder die doofen Politiker machten es ihnen unmöglich, Kinder in diese Welt zu setzen. Das ist lächerlich. Und allerhöchstens eine schlechte Ausrede.

In Wahrheit sind diese Frauen Selbstoptimierer, permanent auf der Suche nach dem perfekten Leben. Deshalb treffen sie lieber keine Entscheidungen und setzen keine Prioritäten. So glauben sie verhindern zu können, dass sie falsche Entscheidungen treffen oder falsche Prioritäten setzen. Denn sonst könnte ja am Ende etwas passieren, was so nicht geplant war – zumindest nicht vom höchstpersönlichen, narzisstischen Selbst. Die Jammer-Frauen halten sich am liebsten alles offen, damit sich bloß kein Möglichkeitsfenster schließt. In der Kinder-Frage geht diese Taktik aber nicht auf.

Wer könnte da hineinfunken?

Darüber hinaus ist es unverständlich, warum irgendeine Außenwelt überhaupt die Macht haben sollte, beim Thema Kinderwunsch hineinzufunken. Wenn zwei sich sagen: Wir wollen ein Kind und dann vielleicht sogar noch eins, wir wollen also Kinder – wo ist dann noch das Problem? Vielleicht genau dort: Es jammern immer nur Einzelne. Die Beziehung, die Partnerschaft, das Wir spielen dabei keine Rolle. Aber ohne so ein Wir sollte man das lieber lassen mit dem Kinderkriegen.

Wer Kinder hat, wird spätestens jetzt nicken. Wir sind in der Mehrheit, aber der Eindruck ist ein anderer. Wenn es nur nach den dauernd veröffentlichten Klage-Arien ginge, müsste man annehmen, eine Entscheidung für Kinder wäre in diesem Land (in diesem reichen, sicheren Land) ungefähr so sinnvoll, wie stinkende Windeln in den Papierkorb zu werfen.

Ersparen kann man sich an dieser Stelle jede Empirie. Wer Kinder hat, braucht sie nicht, die Hinweise auf all das Schöne. Und wer keine Kinder hat, wird das beschriebene Schöne ohnehin nicht vollends erfassen können. Keine Kinder zu haben, ist übrigens von niemandem zu kritisieren, und dieser Text richtet sich nicht gegen all jene, die ehrlich genug sind zu sagen: „Kinder will ich nicht.“ Das ist okay – wenngleich für fast alle Eltern unverständlich.

Lieblingsjammervokabel: „Vereinbarkeit“

Eine Lieblingsjammervokabel ist die von der Vereinbarkeit. Angeblich müssen in diesem Land beide Teile eines Bildungselite-Paars Vollzeit arbeiten, um über die Runden zu kommen. Das ist falsch. Richtig ist, dass in diesem Land beide Teile eines Bildungselite-Paars Vollzeit arbeiten müssen, um exakt dasselbe Leben mit Kindern führen zu können wie ohne. Wer das wirklich möchte, hat nichts verstanden. Denn darum geht es nicht. Und deshalb ist auch das Gerede von Kind oder Karriere im Prinzip überflüssig. Wer viel Zeit mit seinen Kindern verbringen will, wird weniger Karriere machen. Nehmt es endlich hin.

Auch das Geheule über Männer- und Frauenrollen geht an der Wirklichkeit vorbei. Die zögernden Nicht-Mütter verstecken sich dabei hinter der abstrakten Aussage, es sei nun einmal so, dass „Männer“ weniger im Haushalt und mit den Kindern machten. Das gelte selbst bei Fifty-fifty-Verteilung der Wochenstunden im Job. Alles bleibe an den armen Frauen hängen. Aber hier geht es doch nicht um einen abstrakten Plural, nicht um zwei große, feindliche Gruppen, sondern um eine sehr kleine Gruppe von zwei Personen. Warum ein Paar nicht darüber reden kann, wer am nächsten Morgen früh aufsteht und wer im Lauf der Woche noch das Bad putzt, darauf geben die Jammer-Frauen keine Antwort.

Auch Männer können Teilzeit arbeiten

Auch bei der Frage, wer wie viel arbeiten geht, gilt: Wenn ein Paar nicht rechtzeitig bespricht, welche Aufgaben jeder Partner in einem Leben mit Kindern übernehmen will, führt es keine Beziehung. So einfach ist das. Und so einfach geht es weiter. Es hat nichts mit Gewinnen oder Verlieren zu tun, wenn einer zeitweise mehr arbeitet und der andere mehr mit den Kindern macht. Wer in einer Familie lebt, weiß das.

Aber auch das Lamento, arbeitsteilige Fifty-fifty-Modelle seien nur in den allerglücklichsten Ausnahmefällen möglich, ist schlichtweg falsch. Keineswegs haben alle Männer Arbeitgeber, die ihnen kein bisschen Teilzeit gestatten würden. Das Recht auf Teilzeit gilt für Männer genauso wie für Frauen. Man muss nur davon Gebrauch machen. Mit den meisten Arbeitgebern kann man reden. Man muss es nur tun.

Aber die Arbeitgeber gehören im Kosmos der Jammerlappen zur bösen Welt draußen. Genau wie die dummen Politiker, die es einfach nicht hinbekommen, Zauderer zur Zeugung zu animieren. Dabei schafft die Politik heute Möglichkeiten für junge Eltern, die früher undenkbar waren. Angefangen beim Elterngeld: Da gibt es zwölf bis vierzehn Monate lang 65 Prozent vom Netto, ohne dass man währenddessen einen Handschlag dafür tun muss. Das bedeutet mindestens ein Jahr staatlich gesponsertes Zusammensein mit dem eigenen Kind.

Und wo geht die Liebe hin?

Das Wörterbuch der Jammervokabeln enthält noch mehr. Weiter geht es mit der romantischen Liebe. Die ist angeblich plötzlich weg, sobald sich ein Paar in eine Familie verwandelt. Woher die Autorinnen das wissen, bleibt unklar. Auf jeden Fall ist das eine lustige Vorstellung von Romantik: dass die sich einfach auflösen kann, als wäre sie bloß ein Nebel gewesen. Und dass sie sich ausgerechnet von einem klitzekleinen Baby vertreiben lassen soll, ist absurd.

Wenngleich nicht so absurd wie das offenbar schwerwiegende Problem mit dem Aussehen junger Eltern. Natürlich kann man mit zwei kleinen Kindern am Wochenende nicht mehr ausschlafen. Aber warum zum Teufel sehen Eltern mit wenig Schlaf schlimmer aus als in Clubs versackte Singles, die es so früh am Morgen nicht einmal schaffen, sich selbst aus dem Bett zu hieven? Von der Zubereitung von Honigmilch, Kakao und Marmeladenbroten ganz zu schweigen.

Die Jammer-Frauen haben Angst davor, etwas an ihrem scheinbar austarierten Leben zu ändern. Ihr Trott ist ihnen heilig. Denn ihnen fehlt die Zuversicht, dass schon alles gut wird. Herrje, Sorgen darüber, wie euer Leben weitergeht, könnt ihr euch mit 85 machen, aber doch nicht mit Anfang 30, in einem Land mit diesem Sozialsystem und einer schwindenden Zahl von Arbeitnehmern. Wie wäre es, ihr lebtet einfach ein paar Jahrzehnte so sorgenfrei wie möglich vor euch hin? Und noch etwas: Wenn ihr – und so ehrlich seid ihr immerhin – euch selbst für Effizienz-fixierte Perfektionisten haltet, dann spricht alles für Kinder, am besten für drei bis fünf. Die werden es euch abgewöhnen.

http://www.faz.net/aktuell/politik/inland/argumente-gegen-kinder-ruhe-ihr-jammer-frauen-12747389.html

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