Valentinstag mit Papst Franziskus

Bild

Papst Franziskus lud am Valentinstag verlobte Paare ein. Das ist nun zwar schon einige Tage her, aber ich brauchte erst noch etwas Zeit die Rede zu übersetzen. Ich finde es hat sich gelohnt!

Am liebsten mag ich den Absatz: „Die Ehe ist auch tägliche Arbeit, eine handwerkliche Arbeit, die Arbeit eines Goldschmieds, da der Ehemann die Aufgabe hat die Ehefrau zu mehr Frau zu machen und die Ehefrau hat die Aufgabe den Ehemann zu mehr Mann zu machen. Und das macht ihr unter Euch. Das bedeutet zusammen wachsen. Das kommt nicht aus der Luft! Der Herr segnet es, aber es kommt von Euren Händen, von Eurer Einstellung, von Eurer Lebensart, von Eurer Art Euch zu lieben. Sich wachsen lassen! Alles tun damit der anderen wächst. Dafür arbeiten. Und so, weiß ich nicht, denke ich an Dich, wie Du eines Tages durch Dein Dorf spazieren wirst und die Leuten werden sagen: „ Schaut Euch mal diese schöne Frau an, wie stark sie ist! …“ „ Mit dem Ehemann, den sie hat, ist das doch ganz selbstverständlich!“ Das ist es, da müssen wir hin: uns gegenseitig zusammen wachsen lassen, einer den anderen. Und die Kinder werden dieses Erbe haben, dass die Eltern zusammen gewachsen sind, indem sie sich gegenseitig zu mehr Frau und mehr Mann gemacht haben!“

Erste Frage: Die Angst vor dem „für immer“

Ihre Heiligkeit, heutzutage denken viele, dass das Versprechen der Treue für das ganze Leben ein viel zu großes Wagnis ist; viele empfinden die Herausforderung für immer zusammen zu leben als schön und faszinierend, aber auch als sehr anspruchsvoll, fast unmöglich. Wir bitten um Ihre Worte um uns diesbezüglich aufzuhellen.

Ich bedanke mich für die Frage. Ich erkläre Euch: Man hat mir die Fragen vorher geschickt… verständlich, nicht wahr? … und somit konnte ich über eine solide Antwort nachdenken .

Es ist wichtig sich zu fragen, ob es möglich ist sich „für immer“ zu lieben. Dies ist ein Frage die wir uns stellen müssen: ist es möglich sich „für immer“ zu lieben? Heutzutage haben viele Menschen Angst eine endgültige Wahl zu treffen. Ein junger Mann sagte zu seinem Bischof: „ ja ich möchte Priester werden, aber nur für 10 Jahre“.  Er hatte Angst vor einer endgültigen Entscheidung. Aber das ist eine allgemeine Angst, spezifisch für unsere Kultur. Entscheidungen für das ganze Leben zu treffen, scheint unmöglich zu sein. Heute ändert sich alles sehr schnell, nichts ist mehr langwierig und beständig … und diese Einstellung bringt viele, die sich auf die Hochzeit vorbereiten, dazu  zu sagen: „ bleiben wir zusammen bis die Liebe anhält“, und dann?  Tschüss und bis bald… und so endet die Ehe. Aber was verstehen wir unter „Liebe“? Nur ein Gefühl, einen psychophysischen Zustand? Klar, wenn es das ist, kann man darauf nichts handfestes konstruieren. Aber wenn Liebe hingegen eine Beziehung ist, ist es eine Wirklichkeit die wächst. Und wir können exemplarisch sagen, dass man sie wie ein Haus konstruiert. Und das Haus baut man zusammen, nicht alleine! Konstruieren bedeutet hier das Wachstum zu fördern und zu erleichtern. Liebe Verlobten, Ihr bereitet euch darauf vor, zusammen zu wachsen, das Haus zusammen zu bauen um für immer zusammen zu leben.  Ihr wollte doch nicht auf dem Sand der Gefühle die kommen und gehen gründen, sondern auf dem Felsen der wahren Liebe, der Liebe, die von Gott kommt. Die Familie hat ihren Ursprung in diesem Projekt der Liebe, die so wachsen will wie man ein Haus baut und ein Ort der Liebe, Hilfe, Hoffnung und Unterstützung ist. So wie die Liebe Gottes beständig und für immer ist, wollen wir dass auch die Liebe, auf der die Familie gründet  beständig und für immer ist. Bitte lasst Euch nicht von der „Kultur der Provisorium“ überzeugen! Diese Kultur, die uns heute alle vereinnahmt, diese Kultur des provisorischen, ist nicht gut!

Wie behandelt man also diese Angst vor dem „für immer“? Man behandelt sie Tag für Tag, indem man sich dem Herrn anvertraut, in einem Leben, das ein täglicher spiritueller Entwicklungsweg wird, der aus einzelnen Schritten besteht – kleinen Schritten, Schritten des gemeinsamen Wachstums – er besteht auch aus der Verpflichtung, verantwortliche Männer und Frauen im Glauben zu werden.  Denn, leibe Verlobte, das „für immer“ ist nicht nur eine Frage der Dauer! Eine Ehe ist nicht gelungen, wenn sie nur andauert, sondern auch ihre Qualität ist wichtig. Zusammensein und sich lieben können ist die Herausforderung der christlichen Eheleute. Mir kommt das Wunder der Vervielfältigung des Brotes in den Sinn: auch für Euch kann der Herr, Eure Liebe vervielfältigen und sie Euch jeden Tag frisch und gut, schenken. Er besitz eine unendliche Reserve! Er schenkt Euch die Liebe, die der Grundstein Eurer Verbindung ist und jeden Tag erneuert und verstärkt er diese. Und er macht sie noch grösser wenn die Familie mit Kindern wächst. Auf diesem Weg ist das ständige Gebet wichtig und erforderlich. Er für sie, sie für ihn und alle beide zusammen. Bittet Jesus darum Eure Liebe zu vervielfältigen.  Im Vater unser sagen wir: „Unser tägliches Brot gib uns heute “. Das Hochzeitspaar könnte auch lernen so zu beten: „Herr, unsere tägliche Liebe gib uns heute“, denn die tägliche Liebe ist für die Eheleute das Brot, das wahre Brot der Seele, das was sie unterstützt immer weiter zu machen. Und das Gebet: wir können es ausprobieren, um zu schauen ob wir es sagen können? „Herr, unsere tägliche Liebe gib uns heute“. Alle zusammen! [Verlobten: „Herr, unsere tägliche Liebe gib uns heute“]. Das ist das Gebet der Verlobten und der Eheleute. Lehre uns, uns gegenseitig zu lieben und gernzuhaben! Um so mehr ihr Euch ihm anvertraut, desto mehr wird Eure Liebe „für immer“ sein, sich immer wieder erneuern können und jegliche Schwierigkeiten überwinden. Das ist was ich Euch sagen wollte, in dem ich auf Eure Frage geantwortet habe. Grazie!

Zweite Frage: Zusammen leben: Der „Stil“ des Ehelebens

Ihre Heiligkeit, jeden Tag zusammen zu leben ist schön, macht Freude, unterstützt aber es ist auch eine Herausforderung. Wir denken , dass man lernen muss sich gegenseitig zu lieben. Es gibt einen „Lebensstil“ als Paar, eine Spiritualität des Alltäglichen, das wir gerne lernen würden. Können Sie uns dabei helfen, heiliger Vater?

Zusammen zu leben ist eine Kunst, ein geduldiger Weg, schön und faszinierend. Er hört nicht auf, wenn Ihr Euch gegenseitig erobert habt… ganz im Gegenteil, es ist genau da, wo er beginnt! Auf diesem täglichen Weg müssen Regeln befolgt werden, die man mit diesen drei Worten, die Du auch gesagt hast, zusammenfassen kann. Ich habe sie im Gespräch mit Familien oft wiederholt: Erlaubnis – oder ‚kann ich’, und Du hast gesagt – Danke und Entschuldigung

„Kann ich – Erlaubnis?“. Ist die freundliche Anfrage, in das Leben eines anderen, mit Respekt und Aufmerksamkeit, hereintreten zu dürfen. Man muss lernen zu fragen: kann ich das machen? Gefällt es Dir, wenn wir das so machen? Dass wir diese Initiative ergreifen, dass wir die Kinder so erziehen? Willst Du heute Abend ausgehen? …  Kurzum, um Erlaubnis zu bitten, bedeutet fähig zu sein mit Höflichkeit in das Leben eines anderen zu treten. Aber hört gut zu: höflich in das Leben eines anderen zu treten ist keineswegs einfach. Manchmal wird es in einer plumpen Art und Weise gemacht, so als würde man schwere Wanderschuhe benutzen! Die wahre Liebe wird nicht mit Härte und  Aggressivität aufgedrängt. In den Fioretti des Heiligen Franziskus findet man diese Aussage: „ Du musst wissen, dass die Höflichkeit einer der Prioritäten Gottes ist … und die Höflichkeit ist die Schwester der Barmherzigkeit, welche den Hass erlischt und die Liebe bewahrt“ (Kapitel 37). Ja die Höflichkeit bewahrt die Liebe. Und heute in unseren Familien, in unsere Welt, die oft gewalttätig und arrogant sind, braucht man viel mehr Höflichkeit. Und das kann man zuhause beginnen.

„Danke“. Es scheint einfach, dieses Wort auszusprechen, aber wir wissen das dem nicht so ist … es ist aber wichtig! Wir lehren es den Kindern, aber dann vergessen wir es! Die Dankbarkeit ist ein wichtiges Gefühl! Einmal sagte mir eine alte Dame, in Buenos Aires: „ Dankbarkeit ist eine Blume die in edler Erde wächst“.  Die Vornehmheit der Seele ist erforderlich, damit diese Blume wachsen kann. Erinnert Ihr euch an des Evangelium nach Lukas? Jesus heilt zehn Leprakranke und nur einer von ihnen kehrt um, um sich bei Jesus zu bedanken. Und der Herr sagt: und wo sind die anderen neun? Das gilt auch für uns: können wir uns bedanken? In Eurer Beziehung, und morgen in eurem Eheleben, ist es wichtig, dass Ihr das Bewusstsein behaltet, dass die anderen Person eine Gabe Gottes ist,  und bei den Gaben Gottes bedankt man sich! Mit dieser inneren Einstellung bedankt man sich gegenseitig, für alles. Es ist nicht ein nettes Wort, das man Fremden gegenüber benutzt, um wohlerzogen zu sein. Man muss sich bedanken können, um im Eheleben gemeinsam gut voranzukommen.

Das dritte Wort: „Entschuldigung“. Während unseres Lebens, machen wir viele Fehler. Wir machen sie alle. Aber vielleicht ist ja hier jemand unter uns der noch nie einen Fehler gemacht hat? Der soll die Hand heben, dort: jemand der noch nie was falsch gemacht hat? Wir machen alle was falsch! Alle! Vielleicht gibt es keinen Tag in dem wir nicht einen Fehler machen! Laut Bibel, sündigt der Rechte sieben mal am Tag. Und so, machen auch wir Fehler … Genau deswegen ist es wichtig, dass wir dieses simple Wort benutzen: „Entschuldigung“. Im Allgemeinen ist jeder von uns bereit den anderen zu beschuldigen und sich selbst zu verteidigen. Das hat bei unserem Vater Adam begonnen, als Gott ihn fragte: „ Adam, du hast von der Frucht gegessen?“. „Ich? Nein. Sie hat mir davon gegeben!“ Den andren beschuldigen um nicht „Entschuldigung“, „Verzeihung“ zu sagen, ist eine alte Geschichte. Es ist ein Instinkt, der am Anfang vieler Desaster steht. Lernen wir unsere Fehler zu erkennen und um Verzeihung zu bitten. „ Entschuldige wenn ich heute laut geworden bin“; „verzeihe mir, wenn ich nicht gegrüßt habe“; „entschuldige das ich so späht dran bin“, „ wenn ich diese Woche so leise war“, „ wenn ich zu viel gesprochen habe ohne jemals zu gehört zu haben“; „entschuldige, ich habe es vergessen“; „entschuldige ich war wütend und habe es an dir ausgelassen“ …  An einem Tag können wir sehr viele „Entschuldigung“ sagen. Auch so wächst eine christliche Familie. Wir wissen alle, dass es die perfekte Familie nicht gibt, und auch nicht den perfekten Ehemann oder die perfekte Ehefrau. Um nicht von der perfekten Schwiegermutter zu sprechen… Es gibt uns Sünder. Jesus, der uns gut kennt, lehrt uns ein Geheimnis: beende niemals einen Tag ohne um Verzeihung zu bitten, ohne dass der Frieden wieder in unser Haus, in unsere Familie kehrt. Es ist normal, dass die Eheleute sich streiten … vielleicht habt ihr euch aufgeregt, vielleicht ist ein Teller geflogen … aber erinnert Euch immer daran: beendet niemals den Tag ohne Frieden zu schließen! Nie niemals! Dies ist ein Geheimnis, ein Geheimnis um die Liebe zu bewahren und um Frieden zu schließen. Es ist nicht wichtig eine Rede zu halten … oft reicht eine einfache Geste und … der Frieden ist wieder hergestellt. Beende niemals den Tag ohne Frieden zu schließen, denn das was Du in Dir hast, ist am Tag drauf kalt und hart und es ist schwieriger dann Frieden zu schließen. Merkt es Euch gut: Niemlas den Tag ohne Frieden beenden! Wenn wir lernen uns gegenseitig zu entschuldigen und uns zu verzeihen, wird die Ehe andauern und weiter gehen. Wenn die älteren Eheleute die, die Goldene Hochzeit feiern, hier in die Audienz nach Santa Marta kommen  frage ich sie: „ Wer hat wen ausgehalten“ Das ist schön! Alle schauen sich an, schauen mich an und sagen: „ Alle beide!“ Und das ist schön! Ein schönes Zeugnis!

Dritte Frage: Der Stil der Hochzeitsfeier

Ihre Heiligkeit, in diesen Monaten sind wir sehr beschäftigt mit den Vorbereitungen für unser Hochzeitsfest.  Können sie uns ein paar Ratschläge geben um unsere Hochzeit gut zu feiern?

Es soll ein richtiges Fest sein –  denn die Hochzeit ist ein Fest – ein christliches Fest, nicht ein mondänes Fest! Auf dem Tiefe Grund für die Freude an dem Tag weißt das Evangelium nach Johannes hin: erinnert Ihr Euch an das Wunder der Hochzeit zu Cana? Irgendwann gibt es keinen Wein mehr und das Fest scheint ruiniert zu sein. Stellt Euch vor ihr habt am Ende Eures Festes nur noch Tee! Nein das geht natürlich nicht! Ohne Wein kein Fest! Auf Marias Vorschlag hin offenbart  sich Jesus zum ersten Mal und gibt ein Zeichen: er verwandelt Wasser in Wein, und damit rettete er das Hochzeitsfest. Das was vor Zweitausend Jahren in Cana geschehen ist, passiert eigentlich an jedem Hochzeitsfest: das, was eure Hochzeit vollständig  und richtig wahr werden lässt, ist die Präsenz Gottes, der sich offenbart und seine Gnade schenkt. Es ist seine Gegenwart, die den „guten Wein“ bietet. Er ist das Geheimnis der erfüllten Freude, die das Herz wirklich erwärmt. Es ist die Gegenwart Jesu an dem Fest! Es soll ein schönes Fest sein, aber mit Jesus! Nicht mit dem Weltgeist, nein! Das spürt man, wenn der Herr da ist.

Gleichzeitig ist es aber auch gut, wenn Eure Hochzeit nüchtern ist und  das hervorhebt, was wirklich wichtig ist. Einige sind viel mehr damit beschäftige wie alles nach Außen wirkt, vom Essen über die Fotos, den Kleidern, den Blumen … das sind alles wichtige Dinge bei einem Fest, aber nur wenn sie vermögen auf den wahren Grund Eurer Freude hinzuweisen: der Segen Gottes auf Eure Liebe. Bemüht Euch darum, dass so wie der Wein in Cana, dass die äußerlichen Zeichen Eures Festes auf die Präsenz Gottes hinweisen und Euch und alle daran erinnern was der Ursprung und der Grund Eurer Freude ist.

Aber es gibt etwas das Du gesagt hat, das ist aufgreifen will. Die Ehe ist auch tägliche Arbeit, eine handwerkliche Arbeit, die Arbeit eines Goldschmieds, da der Ehemann die Aufgabe hat die Ehefrau zu mehr Frau zu machen und die Ehefrau hat die Aufgabe den Ehemann zu mehr Mann zu machen. Und das macht ihr unter Euch. Das bedeutet zusammen wachsen. Das kommt nicht aus der Luft! Der Herr segnet es, aber es kommt von Euren Händen, von Eurer Einstellung, von Eurer Lebensart, von Eurer Art Euch zu lieben. Sich wachsen lassen! Alles tun damit der anderen wächst. Dafür arbeiten. Und so, weiß ich nicht, denke ich an Dich, wie Du eines Tages durch Dein Dorf spazieren wirst und die Leuten werden sagen: „ Schaut Euch mal diese schöne Frau an, wie stark sie ist! …“ „ Mit dem Ehemann, den sie hat, ist das doch ganz selbstverständlich!“ Das ist es, da müssen wir hin: uns gegenseitig zusammen wachsen lassen, einer den anderen. Und die Kinder werden dieses Erbe haben, dass die Eltern zusammen gewachsen sind, indem sie sich gegenseitig zu mehr Frau und mehr Mann gemacht haben!

Quelle: http://www.vatican.va/holy_father/francesco/speeches/2014/february/documents/papa-francesco_20140214_incontro-fidanzati_it.html

Advertisements

Leave a Reply

Fill in your details below or click an icon to log in:

WordPress.com Logo

You are commenting using your WordPress.com account. Log Out / Change )

Twitter picture

You are commenting using your Twitter account. Log Out / Change )

Facebook photo

You are commenting using your Facebook account. Log Out / Change )

Google+ photo

You are commenting using your Google+ account. Log Out / Change )

Connecting to %s