Der Hass, der keiner ist

Bild

Zum zweiten Mal gingen am Samstag Hunderte Bürger in Stuttgart auf die Straße, um gegen den Bildungsplan 2015 zu demonstrieren. Ihr Anliegen: Toleranz ja, aber keine staatlich verordnete Indoktrination der Kinder in Sachen sexueller Vielfalt ab der ersten Klasse. Die Demonstration wurde von der Presse durchweg argwöhnisch beäugt. Tenor: Die Homo-Hasser machen mobil. 200.000 Bürger, die gegen den Bildungsplan unterschrieben haben, ändern daran nichts. Aber passiert hier wirklich das, was man Land auf, Land ab darüber hört und liest?

400 Polizisten hatten Mühe, die aggressiven Gegendemonstranten unter Kontrolle zu halten. Die “Toleranten” schrecken im Kampf gegen die “intoleranten” Bildungsplangegner vor verbaler, visueller und physischer Provokation nicht zurück. Die Situation hat durchaus etwas Bizarres: Gegendemonstraten schreien friedlich demonstrierenden Bürgern hasserfüllt entgegen, endlich tolerant zu sein und nicht zu hassen. Verkehrte Welt!

Wie kommt es, dass uns “Hass” unterstellt wird, wenn wir die Familie aus Mama, Papa und Kindern eigentlich eine ganz gute Sache finden? Für wen ist es gut, wenn ein Kind in der Schule plötzlich das in Frage stellen muss, was ihm Sicherheit und Geborgenheit gibt – die eigene Familie, die Eltern, das eigene Dasein als Mädchen oder Junge? Wächst dadurch statt Toleranz nicht vielleicht eher Orientierungslosigkeit? Was ist an der Frage des “cui bono” so intolerant, dass es nicht mehr toleriert werden kann? Und wer von den Bildungsplanautoren, Gegendemonstranten oder verantwortlichen Politikern hat sich jemals angeschickt, diese Frage auch nur ansatzweise zu beantworten?

Als Christen wissen wir, dass es nicht an uns ist, Menschen zu verurteilen. Gleichzeitig stehen wir in einer für das Christsein konstitutiven Spannung: Die Sünde hassen, aber den Sünder lieben. Das fängt bei uns selbst an, hört dort aber nicht auf. Auch unseren Nächsten sollen wir lieben und auch bei unserem Nächsten können wir nicht plötzlich das gutheißen, was nicht gut ist. Die Kirche hat mit der christlichen Anthropologie eine zutiefst sinngebende Antwort auf das Identitätenchaos, das Lehrplan werden soll. Nur ist sie kaum vernehmbar und doch so dringend nötig.

Von Sophia Kuby

Quelle: http://www.katholisch.de/de/katholisch/themen/standpunkt/standpunkt_dienstag.php

Advertisements

Leave a Reply

Fill in your details below or click an icon to log in:

WordPress.com Logo

You are commenting using your WordPress.com account. Log Out / Change )

Twitter picture

You are commenting using your Twitter account. Log Out / Change )

Facebook photo

You are commenting using your Facebook account. Log Out / Change )

Google+ photo

You are commenting using your Google+ account. Log Out / Change )

Connecting to %s